Wenn der Herbst-Winter-Blues kommt: Was tun gegen saisonale Stimmungstiefs?

Quelle: Rhein-Sieg-Kreis

Nach dem Sommer folgen kürzere Tage, sinkende Temperaturen und weniger Sonnenlicht. Für viele Menschen beginnt mit dem Herbst eine Zeit der emotionalen Herausforderungen. Was oft als „Herbst-Winter-Blues“ abgetan wird, kann jedoch tiefere Ursachen haben und in manchen Fällen zu einer saisonal abhängigen Depression (SAD) führen. Die Ursache für die gedrückte Stimmung liegt primär im Mangel an Tageslicht. Bei zunehmender Dunkelheit schüttet der Körper vermehrt das Hormon Melatonin aus, welches den Schlaf steuert und bei einem Übermaß zu Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen kann.

Prävention durch „Licht tanken“

Um einer depressiven Entwicklung vorzubeugen, ist ein bewusster Umgang mit dem verfügbaren Licht essenziell. Dr. Rainer Meilicke, Leiter des Gesundheitsamtes beim Rhein-Sieg-Kreis, empfiehlt: „Der beste Schutz ist der regelmäßige, tägliche Aufenthalt im Freien.“ Besonders effektiv ist dies am Vormittag oder über die Mittagszeit, da in diesem Zeitraum die höchste Lichtintensität herrscht. „Auch wenn die Sonne hinter Wolken verborgen bleibt – sie ist da und liefert das notwendige Licht“, ergänzt Dr. Rainer Meilicke.

Woran erkennt man eine saisonal abhängige Depression (SAD)?

Während ein leichter „Blues“ oft vorübergeht, zeichnet sich eine SAD durch spezifische Symptome aus. Neben der allgemeinen Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Konzentrationsstörungen treten bei einer SAD häufig auch anhaltende Müdigkeit, ein gesteigertes Schlafbedürfnis sowie Heißhunger auf Süßigkeiten und eine entsprechende Gewichtszunahme auf. Obwohl diese Form der Depression meist milder verläuft als andere depressive Störungen, sollte sie ernst genommen werden.

Unterstützung durch Lichttherapie

Sollte die Prävention im Freien nicht ausreichen, kann eine gezielte Lichttherapie helfen, die gesundheitliche Situation zu verbessern. Hierfür gibt es spezielle Lampen im Fachhandel. Wichtig ist dabei die Intensität der Lichtquelle. Empfohlen wird eine Stärke von etwa 10.000 Lux; ein Minimum von 2.500 Lux sollte nicht unterschritten werden. Zum Vergleich: Während die normale Zimmerbeleuchtung lediglich zwischen 300 und 500 Lux liegt, kann ein heller Sonnentag bis zu 100.000 Lux erreichen.

Bei anhaltenden oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden ist es ratsam, eine ärztliche Praxis aufzusuchen, um die Ursachen professionell abklären zu lassen. Es gibt keinen Grund, vor einem solchen Gespräch zurückzuschrecken, vielmehr stehen Betroffenen wirksame therapeutische Angebote wie Medikamente oder Psychotherapien zur Verfügung. Da eine Depression jeden treffen kann und viele verschiedene Gesichter hat, ist es wichtig, diese Hilfsangebote wahrzunehmen, denn die Erkrankung ist erfolgreich behandelbar.

Betroffene sowie Angehörige und befreundete Personen finden in den Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ) in Eitorf, Meckenheim, Siegburg und Troisdorf Unterstützung. Die Beratung ist kostenlos, unterliegt der Schweigepflicht und kann entweder direkt in den Zentren oder im eigenen Zuhause erfolgen. Eine Übersicht über die Standorte sowie Informationen zu den Außenstellen und Kontaktdaten ist unter www.rhein-sieg-kreis.de/spz zu finden.

In dringenden Fällen steht zudem die zentrale Aufnahme der LVR-Klinik Bonn, Kaiser-Karl-Ring 20, rund um die Uhr zur Verfügung. Diese befindet sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes und kann in Notfällen jederzeit auch ohne Voranmeldung aufgesucht werden.
Telefonischer Kontakt unter 0228 551-1.