Teilzeitausbildung bietet Chancen, braucht aber passende Rahmenbedingungen
Info des Rhein-Sieg-Kreises
Eine Ausbildung absolvieren und gleichzeitig Kinder betreuen oder Angehörige pflegen? Für viele Menschen ist das eine große Herausforderung. Die Teilzeitausbildung bietet hier eine wichtige Perspektive: Sie ermöglicht es, einen anerkannten Berufsabschluss zu erwerben und gleichzeitig familiäre Verantwortung zu übernehmen. Dennoch ist diese Möglichkeit vielen Menschen noch immer nicht bekannt. Um über Chancen, Voraussetzungen und praktische Erfahrungen zu informieren, veranstaltete der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Rhein-Sieg-Kreis im Kreishaus die Veranstaltung „Teilzeitausbildung in Kommunalverwaltungen“. 30 Interessierte erhielten Einblicke in die Möglichkeiten und konnten sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung, Beratung und Ausbildungspraxis austauschen.
Die Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Sieg-Kreises, der Städte Siegburg, Bad Honnef und Rheinbach sowie der Gemeinde Swisttal berichteten, wie Teilzeitausbildung in der Praxis bereits umgesetzt wird und stellten die Ausbildungsangebote ihrer Verwaltungen unter anderem in den Sparten Verwaltungswirtin beziehungsweise Verwaltungswirt, Verwaltungsfachangestellte beziehungsweise Verwaltungsfachangestellter sowie im dualen Studium zum Bachelor of Laws (Kommunaler Verwaltungsdienst) vor.
Die Veranstaltung wurde abgerundet durch den Erfahrungsbericht einer Absolventin des Bachelorstudiengangs „Kommunaler Verwaltungsdienst“, die unter anderem über ihren Weg durch ein Teilzeitstudium berichtete sowie durch die Vorstellungen der Beratungs- und Unterstützungsangebote von TEP/Modus sowie dem Jobcenter Rhein-Sieg. Vielen war bis dahin nicht klar, welche Begleitung Interessierte auf dem Weg in eine Teilzeitausbildung erhalten können.
Beim anschließenden Austausch konnten praktische Fragen geklärt werden. Dabei wurde deutlich: Die Bereitschaft der Kommunalverwaltungen wächst, flexible Ausbildungswege zu ermöglichen. Gleichzeitig stoßen Auszubildende mit Familienverantwortung im Alltag weiterhin auf Hürden.
Besonders die schulischen Rahmenbedingungen stellen viele Teilzeitauszubildende vor Herausforderungen. Während die Arbeitszeit im Ausbildungsbetrieb reduziert werden kann, müssen Berufsschulzeiten häufig weiterhin vollständig absolviert werden. Nordrhein-Westfalen hat mit dem Aktionsplan Teilzeitberufsausbildung bereits wichtige Schritte unternommen, um Teilzeitausbildung bekannter zu machen und als regulären Ausbildungsweg zu etablieren. Aus Sicht des Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten Bonn/Rhein-Sieg müssen jedoch die schulischen Rahmenbedingungen stärker in den Blick genommen werden.
Ein gutes Beispiel, dass flexible Bildungsstrukturen möglich sind, zeigt die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen mit ihren erfolgreichen Teilzeitstudienangeboten im Bachelorstudiengang. Dies macht deutlich: Wenn Ausbildungs- und Bildungseinrichtungen ihre Strukturen anpassen, profitieren sowohl die Lernenden als auch die Einrichtungen selbst.
Schlussendlich hat die Veranstaltung deutlich gemacht: Der Wunsch nach flexiblen Ausbildungswegen ist da und auch die Kommunalverwaltungen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Teilzeitausbildung kann gut funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dafür müssen Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und Bildungseinrichtungen gemeinsam weiter an Lösungen arbeiten.
Teilzeitausbildung – eine Chance in vielen Berufen
Die Möglichkeit der Teilzeitausbildung wurde 2005 im Berufsbildungsgesetz verankert. Inzwischen ist sie in allen anerkannten Ausbildungsberufen möglich, wenn der Ausbildungsbetrieb zustimmt. Bei einer Teilzeitausbildung wird die Ausbildungszeit im Betrieb reduziert – maximal um 50 Prozent. Je nach Modell kann sich dadurch die Gesamtdauer der Ausbildung verlängern oder unverändert bleiben. Die Ausbildungsvergütung wird in der Regel entsprechend der reduzierten Arbeitszeit angepasst. Der Besuch der Berufsschule erfolgt bislang grundsätzlich weiterhin im vollen Umfang.