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Umsichtig handeln bei jungen Wildtieren: Nicht grundlos anfassen!

Pressemitteilung von Montag, 1. April 2019, Rhein-Sieg-Kreis

"Sind die süß!" – Wir freuen uns, wenn wir niedliche Tierbabys beim Spaziergang entdecken. Nicht selten wirkt es so, als ob sie allein gelassen wären und Hilfe benötigen könnten. Dies ist aber in nahezu allen Fällen eine Fehleinschätzung!

Rehkitze werden im Mai und Juni geboren. Ihre Mütter legen sie auf Feldern und Wiesen im Schutz hoher Vegetation ab und halten sich selber von ihnen fern, um ihr "Junges" nicht in Gefahr zu bringen.

"Es ist also in der Regel zunächst normal, ein jung geborenes Wildtier alleine liegend aufzufinden", darauf macht Dr. Klaus Mann, Leiter der Abteilung Tiergesundheit der Kreisverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises, aufmerksam. Nur zum Säugen oder zum Säubern des Nachwuchses kommen die Mütter zurück. Über ihren ausgeprägten Geruchssinn sind sie jedoch mit ihrem Jungtier verbunden. Die neugeborenen Tiere haben selber nur sehr geringen Eigengeruch, um dadurch vor Feinden geschützt zu sein. Durch menschliche Berührung nimmt das Rehkitz aber menschlichen Geruch an, und wird dann von der Mutter nicht mehr genährt. Also: Finger weg von Rehkitzen!

Gleiches gilt beispielsweise für Feldhasen! Wenn jedoch ein junger Feldhase von der Hauskatze als Beute mit nach Hause gebracht wird, sollte er zum Tierarzt gebracht werden.

Eine Ausnahme gilt für frisch aus dem Ei geschlüpfte Vögel: einen nackten Jungvogel darf man, sollte er aus dem Nest gefallen sein, wieder in sein Nest zurücksetzen, da sich Vogeleltern nicht am menschlichen Geruch stören.

Hilfe für Säugetiere ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn junge Wildtiere offensichtlich verletzt aufgefunden werden. "Handeln Sie in solchen Fällen aber bitte keinesfalls spontan, sondern holen Sie sich immer fachkundigen Rat ein. Tipps zum richtigen Verhalten erhalten Sie z.B. beim Veterinäramt, dem nächstgelegenen Tierarzt, dem Jagdpächter oder dem Forstamt", empfiehlt Dr. Klaus Mann, Leiter der Abteilung Tiergesundheit, und appelliert: "Bei unverletzt aufgefundenen Jungtieren aber gilt immer: Hände weg und möglichst zügig weitergehen, damit die Eltern sich schnell wieder um die Versorgung ihrer Schützlinge kümmern können. Es ist in der Natur völlig normal, dass Elterntiere ihre Jungen kurzzeitig allein zurücklassen – zum Beispiel um Nahrung zu beschaffen."

Jungtiere bleiben dann nicht selten dicht an den Boden gedrückt liegen, bis die Eltern zurückkehren. Junge, oft schon weitgehend befiederte Vögel wiederum geben ihren Eltern ihre Position natürlicherweise durch lautstarkes Rufen kund. Auch diese Jungvögel brauchen trotz vermeintlicher "Hilfeschreie" keine Unterstützung.

"Wer den Wildnachwuchs aus falsch verstandener Tierliebe mitnimmt, bringt ihn hierdurch möglicherweise in Lebensgefahr, setzt die Tiere aber auf jeden Fall erheblichen Leiden und großem Stress aus. Denn fast niemand ist in der Lage, die elterliche Fürsorge und den natürlichen Lebensraum der Tiere angemessen zu ersetzen", warnt der Kreisveterinär eindringlich. Schon das bloße Berühren solcher Jungtiere kann dazu führen, dass sie von ihren Eltern wegen des anhaftenden menschlichen Geruchs nicht wieder angenommen werden und dann tatsächlich auf den Menschen angewiesen sind. Und das ein Leben lang: "Vom Menschen aufgezogene Wildtiere lassen sich kaum jemals erfolgreich auswildern und sind daher Zeit ihres Lebens auf Versorgung angewiesen", betont Dr. Klaus Mann.

Grundsätzlich gilt also: Junge Wildtiere nie grundlos anfassen! In der Regel ist es normal, wenn sie alleine liegen! Bei offensichtlich verletzten, kranken oder hilflosen Tieren fachkundige Hilfe holen!